Leichtes Kippeln

DER SPIEGEL 38/2 002
MODEN

Neben ständig neuen, auf den Markt drängenden Fußgänger-Beförderern wie Tret- oder Elektrorollern, feierte in diesem Sommer ein alt- bewährtes großstädtisches Fortbewegungsmittel seine Renaissance – das Klapprad. Für Liebhaber soll es aus den Sechzigern oder Siebzigern stammen, dafür darf es mit den bekannten technischen Tücken behaftet sein:

Geübte Klappradfahrer schreckt es nicht, dass sich das Scharnier in der Mitte des Gefährts schon mal bei voller Fahrt öffnen kann, sie erkennen es am leichten Kippeln, halten und ziehen neu fest. Die Fans des Retro-Trends haben neben einer Philosophie (Kampf der Konsumgesellschaft) ihre eigene Homepage und ihre speziellen Events. Bei Speyer fand Ende August zum elften Mal der berühmte Kalmit-Klapprad-Cup statt, bei dem ein Speyerer die sechs Kilometer zum 673 Meter hohen Kalmit in der Rekordzeit von 21 Minuten und 27 Sekunden bewältigte. Nur einen Nachteil hat die neue Mode: Bisher konnten Klappradfahrer ihre Vehikel getrost an eine Hauswand gelehnt zurücklassen, weil die sowieso keiner klaute. Seit ihre Gefährte zum Oldie ver- klärt wurden, brauchen auch sie dicke Ketten.

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