„Lila Baron“ und „King Elvis“ strampeln um die Wette

Die Rheinpfalz 10. September 2003 (Ausgabe Neustadt an der Weinstraße)
MAIKAMMER: Ohne Gangschaltung auf den Berg beim „Kalmit-Klapprad-Cup“ – Räder zum Teil vom Speicher geholt
VON UNSERER MITARBEITERIN CHRISTINE BREHM

> Mit voller Kraft stemmen sie sich auf die Pedale und wuchten die gnadenlose Übersetzung über rund 400 Höhenmeter hinauf auf die Kalmit. Wie bei der Tour de France quälten sich am vergangenen Samstag die 48 Starter beim kuriosen „Kalmit-Klapprad-Cup“ über die sechs Kilometer lange Strecke. Nicht nur der sportliche Erfolg, sondern Spaß und Auffallen standen im Vordergrund.

Ob mit dem rot-weiß gepunkteten Trikot des bergbesten Fahrers der Tour de France oder im Frauenkleid mit Strohhut – der Kreativität beim Klapprad-Cup sind keine Grenzen gesetzt. Der Klapprad-Superstar in diesem Jahr ist neben „Klappy Osbourne“ „Elvis, King of Klapprad“, der mit seiner Elvis-Tolle und der weißen Rock’n’Roll-Weste auf seinem Drahtesel legendäre Hüftschwünge hinlegt. Künstlernamen seien Pflicht, meint der „Lila Baron“ alias Michael Müller aus Grünstadt. Denn über ein extravagantes Aussehen könne man sich viele Sympathien bei den Fans erwerben, die zahlreich an der Strecke stehen.

Nicht nur bei den Fahrern, auch bei den Rädern können die Gegensätze nicht größer sein. Ein Team aus Haßloch tritt mit einem Tandemklapprad an, ein anderer Teilnehmer hat ein „Microbike“ mit 12-Zoll-Reifen dabei. Während die einen Räder wohl gerade am Vortag vom Speicher geholt worden sind und noch gemächlich vor sich hinrosten, haben andere aus ihren Zweirädern wahre Hightech-Ma- schinen mit Carbonsattel und Klick-Pe- dalen geschraubt.

„Ich habe mir das Rad von meiner Oma geliehen“, erzählt Kevin Schmidt aus Haßloch. Sie habe schon etwas ver- wundert geschaut, als er sie nach dem alten Gefährt fragte. „Das macht Spaß, mit den Rädern zu fahren. Sie sind klein und handlich“, meint der i5-Jährige, der nur auf dem Gipfel ankommen möchte.

Ein altes Erbstück ist der Drahtesel von Elke Flörchinger. „Das Rad ist schon 30 Jahre alt. Ich habe es auf dem Speicher gefunden und nur et- was aufgepumpt und geputzt“, erklärt die Dudenhofenerin.

Schon vor dem Start am Ortsaus- gang von Maikammer schauen einige Autofahrer entgeistert und erkundigen sich nach der Veranstaltung. Einige fassen sich mit der Hand an den Kopf und schmunzeln über die aus ihrer Sicht „verrückten“ Sportler. Endlich auf die Strecke entlassen, fängt das Leiden an: „Ich habe mein Rad ver- flucht und gedacht, dass ich bekloppt bin, da hoch zu fahren“, gesteht Elke Flörchinger nach dem Rennen. Ihre

Übersetzung sei miserabel gewesen, Gangschaltung sei ja verboten, daher habe sie ein paar mal absteigen müssen, um wieder Kräfte zu sammeln. „Kurz vor Schluss habe ich noch mal zulegen können, das Publikum hat mich wieder motiviert. Ich wollte mir auch nicht die Blöße geben abzusteigen“, gibt sie zu. „Es war enorm an- strengend“, erzählt der „Lila Baron“. „Ich habe die ganze Zeit gedacht, nächstes Jahr tue ich mir das nicht wie- der an, aber wenn man dann oben ist, ist man doch stolz und bekommt gleich wieder Lust auf das nächste Mal“, meint der Grünstadter. Über St. Martin seien die Klappradfahrer dann den Berg runter gefahren. „Die andere Strecke nach Maikammer wäre doch zu gefährlich gewesen“, sagt Müller.

Gesiegt hat Frank Erk aus Speyer in einer Zeit von 19:36 Minuten. Damit unterbot er die Rekordzeit 21:27 des Vorjahressiegers Rainer Moster, der mit 19:58 Dritter wurde. Erk hat bereits zum fünften Mal den Cup für sich entschieden. Den zweiten Platz belegte Markus Röhm aus Hanhofen (19:39). Im Damenpokal gewann Hanna Ott aus Mannheim (29:18).

„Wir hatten so viele Teilnehmer wie noch nie und dazu noch wunderbares Wetter“, resümiert Peter Zürker, von der veranstaltenden Kilianer-Weinbruderschaft aus Dudenhofen. Einige Radler kommen sogar aus Saarlouis, Darmstadt oder Düsseldorf angereist. Aufgegeben hat kein Starter, nur bei einem ist zu Beginn des Rennens der Rahmen gebrochen. Er wurde im Auto auf den Gipfel gefahren.

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